Eric Chinje (r.) beim Training mit afrikanischen Journalisten.

13.12.2018

Schwarz-Weiß-Malerei soll ein Ende nehmen: Journalisten lernen über Migration in Afrika und Europa

Journalisten aus West-Afrika wurden zur Migrationsberichterstattung geschult, auf Grundlage eines Lehrplans vom Erich-Brost-Institut.

Tote Flüchtlinge im Mittelmeer, unbegleitete Migrantenkinder, Sklavenhandel in Libyen, gestrandet ohne Chance auf Asyl in Europa: Hintergründe fallen beim der Migrationsberichterstattung oft der Sensation zum Opfer - in afrikanischen Medien sogar noch deutlicher als in europäischen. 

Das soll sich ändern. Dieses Ziel haben sich das Erich-Brost-Instituts für Internationalen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund (EBI) mit seinen deutsch-afrikanischen Partnern gesetzt: Africa Positive (AP, ein Verein mit deutschsprachigem Magazin) und der Africa Media Initiative (AMI, einem Netzwerk afrikanischer Medien), mit Finanzierung durch das deutsche Auswärtige Amt. 

Die ersten drei von sechs Trainings werden im Dezember in den westafrikanischen Ländern Nigeria, Elfenbeinküste und Ghana durchgeführt. Die Trainings werden jeweils mit Partnern in den Ländern organisiert, zum Beispiel mit örtlichen Journalistenverbänden. 2019 sind weitere Trainings in Gambia, Sudan und Guinea-Conakry geplant.

Schwerpunkt auf Berufsethik 

„Durch die Trainings soll ein wahrheitsgetreues Bild in der afrikanischen Migrationsberichterstattung gefördert werden – frei von positiven wie negativen Klischees“, erklärt Africa-Positive-Chefredakteurin Veye Tatah ein zentrales Ziel der Workshops. EBI-Direktorin Prof. Dr. Susanne Fengler ergänzt: „Die Migrationsberichterstattung in Afrika ist in qualitativer wie quantitativer Hinsicht defizitär, häufig elitenzentriert und wenig hintergründig.“ Auch Eric Chinje, ehemaliger und langjähriger AMI-Vorsitzender betont, die Fluchtabsichten vieler Menschen seien „stark unterrepräsentiert“ in afrikanischen Medien. 

Um hier einen Unterschied zu machen, orientieren sich die Trainings an einem Curriculum zur Flucht- und Migrationsberichterstattung, das derzeit am EBI entwickelt wird und Teil des Forschungsschwerpunkts Migration am Institut ist. Das Curriculum setzt einen Schwerpunkt auf journalistische Praxis und Berufsethik. Es erhebt den Anspruch, Qualitätskriterien internationaler Berichterstattung genauso zu verankern wie mit nötiger Sensitivität auf lokale Gegebenheiten und Eigenheiten journalistischer Kulturen einzugehen. 

Große Verantwortung

Ebenso zielt das Curriculum darauf ab, einen verantwortlichen Umgang mit Daten und Begrifflichkeiten zum Thema Migration zu schulen. Es bietet Grundwissen zu den Ursachen von Migration, politischen Rahmenbedingungen oder psychosozialen Folgen von Migration. Mit Blick auf die journalistische Praxis diskutiert das Curriculum auch die Wirkung migrationsbezogener Beiträge auf die Rezipienten.

„Denn als Berichterstatter muss man sich im Klaren sein, dass eine ungenaue, oberflächliche journalistische Vermittlung lebensbedrohliche Migrationsentscheidungen begünstigen kann“, ist sich das Organisationsteam aus EBI, AIM und Africa Positive einig. Wer über ein Thema wie Migration berichten möchte, trage in dieser Hinsicht ganz besondere Verantwortung.