Mariella Bastian (r.) vertrat das Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus bei der Konferenz in Brasília. Foto: Anna Carina Zappe

27.06.2017

Meinungsfreiheit in Europa und Brasilien: Konferenz in Lateinamerika

Das EBI zu Gast in Brasilien: Bei "Medien, Accountability und Meinungsfreiheit in Europa und Lateinamerika" ging es um die Herausforderungen des digital Wandels.

In Europa und Lateinamerika hat die Digitalisierung große Herausforderungen für die Medien mit sich gebracht: Zum einen liefert diese der Öffentlichkeit einen Zugang zu qualitativ hochwertiger Informationen. Auf der anderen Seite bedeutet aber eben dieser Zugang auch, dass die Medien eine Verantwortung tragen, der sie unmittelbarer als im analogen Zeitalter gerecht werden sollten: Kommentare, Vorschläge und Beschwerden erreichen die Redaktionen via Emails und sozialen Netzwerken unmittelbar. Über diese Herausforderung diskutierten bei der Konferenz "Medien, Accountability und Meinungsfreiheit in Europa und Lateinamerika” in Brasilia (Brasilien) deutsche und brasilianische Wissenschaftler und Journalisten und blickten dabei auch auf Möglichkeiten Transparenz- und Kontrollinstrumente der Medien aufzuzeigen.

Bei der vom Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo (DWIH-SP) geförderten Veranstaltung stand eine Annäherung an die Rolle der Medien in der Demokratie im Fokus. Dabei stellte Mariella Bastian vom Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus (EBI) die Ergebnisse einer vergleichenden Forschung in Brasilien, Uruguay und Argentinien zur Beziehung zwischen Medien und Accountability vor. Sie hatte im Rahmen ihrer Promotion Instrumente wie z.B. Ombudsleute, Ethikkodizes, Medienblogs, oder Korrektur von Fehlern untersucht.

„Es ist wichtig, keine eurozentrische Perspektive einzunehmen. In der Wissenschaft wird häufig eine Perspektive aus Europa oder den USA eingenommen, ohne die Besonderheiten und Rahmenbedingungen anderer Weltregionen detailliert mit einzubeziehen”, sagte Mariella Bastian. Deshalb hat die Wissenschaftlerin ein Modell mit Faktoren, die dieses Szenario beeinflussen – wie etwa bspw. die Beziehung zwischen Medien und Politik, Meinungsfreiheit, die öokonomische Situation oder auch Journalistenausbildung – entwickelt. Während der Konferenz stellte Mariella Bastian auch Transparenzinstrumente und Instrumente, die die Partizipation des Publikums erlauben, vor, welche sie in Lateinamerika ausgemacht hat.

Außerdem ergänzten auf der Konferenz auch die lateinamerikanischen Wissenschaftler Josenildo Guerra, Universidade Federal de Sergipe, Marcos Santuário, FEEVALE und Fernando Oliveira Paulino, Universidade de Brasília, den Blickwinkel der Transparenz. Guerra und Paulino sind Mitglieder des RENOIs (Nationales Netzwerk von Medienobservatorien), das 2005 gegründet wurde, um Medienbeobachtung und Analysen des Mediensektors zu bündeln. 

Für die europäische Perspektive stellte Prof. Dr. Susanne Fengler, Geschäftsführerin am EBI, das "MediaAct"-Projekt und das in diesem Jahr erscheinende "European Handbook of Media Accountabiliy" vor. Anna Carina Zappe, wissenschaftliche Mitarbeiterin am EBI, präsentierte als ein Best-Practice-Beispiel das "European Journalism Obversatory" (EJO). Das in 14 Ländern vertretende Observatorium beobachtet Medientrends und arbeitet damit daran, die Qualität des Journalismus durch die Auseinandersetzung mit Medieninhalten zu verbessern. Die Redakteurin des EJOs erklärte: „Wir informieren Medienpraktiker, Wissenschaftler und die Öffentlichkeit europaweit über Trends und Forschungsergebnisse des Journalismus und damit tragen wir als Media Accountability-Instrument zu einer Europäischen Öffentlichkeit bei.“