Medienvertreter aus 20 Nationen haben in Senegal zusammengearbeitet.

21.03.2018

Mega-Thema Migration: Welche Rolle spielen die Medien?

Das EBI richtete den ersten europäisch-afrikanischen Journalisten-Gipfel in Dakar aus. Medienvertreter aus 20 Nationen

Allen Prognosen zufolge wird die Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent in den kommenden Jahren explodieren: Die UN rechnet mit der doppelten Einwohnerzahl in 2050. Ein einziges Land in Afrika – Nigeria – könnte dann so viele Einwohner wie die gesamte USA haben. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Migranten mit Ziel Europa nochmals stark ansteigen wird. 

Welchen Beitrag kann der Journalismus – in Afrika und Europa - bei der Bewältigung dieser epochalen Herausforderung spielen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der ersten Spring School on Media and Migration, die das Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus der TU Dortmund gemeinsam mit der Dortmunder NGO Africa Positive e.V. in Dakar/Senegal ausgerichtet hat. Finanziert wurde des Projekt von der Robert Bosch Stiftung.

An der einwöchigen Spring School nahmen 20 führende Journalisten aus afrikanischen Ländern teil – darunter Länder wie Niger, Mali, Äthiopien, Nigeria und Kamerun, die in hohem Maße von Abwanderung betroffen sind. Dennoch ist Migration bislang für viele afrikanische Medien kein Thema. Das liegt insbesondere an mangelnden Ressourcen: Afrikanische Redaktionen haben kaum Möglichkeiten, kritisch über die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe und Folgen von Migration zu recherchieren und ihrem Publikum in Afrika ein realistisches Bild von den Bedingungen für Migranten in Europa zu vermitteln. 

Hier setzt das Projekt der TU Dortmund an: Namhafte internationale Referenten vermittelten den afrikanischen Journalisten in Dakar zentrale Fakten zum Thema Migration. Zugleich diente das Projekt dem Aufbau eines Netzwerks mit zehn west- und osteuropäischen Journalisten, die ebenfalls zu der Spring School eingeladen waren. 

Projektleiterin Prof. Dr. Susanne Fengler: „Vergleichende Studien, die wir zuvor am Erich-Brost-Institut durchgeführt haben, haben gezeigt, dass es auf beiden Seiten blinde Flecken gibt: Afrikanische Medien reagieren häufig nur auf spektakuläre Schiffskatastrophen mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, blenden aber die Fluchtursachen in Afrika und die Folgen für Europa aus. Umgekehrt setzen sich europäische Medien zu wenig mit den – oft widersprüchlichen – Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern auseinander.“ Projektpartnerin Veye Tatah von Africa Positive betont, dass „nur nach einem ehrlichen und kritischen Dialog zwischen europäischen und afrikanischen Journalisten die Situation der Menschen sowohl in Afrika wie in Europa sachgerecht in einer für beide Bevölkerungen verständlichen Weise dargestellt werden können.“

Mehr Informationen bei: Prof. Dr. Susanne Fengler, 0231 755 4152, susanne.fengler(at)udo.edu

Links: www.jigc.media